/ Breite Unterstützung für Betroffene von Frauenhandel
«Frauenhandel findet auch in der Schweiz statt.» Dies war eine der Botschaften der vom cfd mit-lancierten Kampagne «Euro 08 gegen Frauenhandel». Die Kampagne hat die Fussball-Europameisterschaft genutzt, um eine breite Öffentlichkeit aus dem In- und Ausland auf das Problem des Menschenhandels aufmerksam zu machen. Gleichzeitig hat die Kampagne gezeigt, wie prekär die Situation der vom Menschenhandel betroffenen Frauen ist.
Konkret forderte die Kampagne in einer Petition mehr Schutz für die Opfer von Frauenhandel. Innerhalb von sechs Monaten schlossen sich 71'980 UnterzeichnerInnen dieser Forderung an: Opfer von Frauenhandel müssen einen Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz haben, die ihnen ermöglicht, Schutz und spezialisierte Begleitung zu erhalten. Zudem muss in allen Kantonen ein einheitlich hoher Standard an Sicherheit und Unterstützung bestehen. Ob eine von Frauenhandel betroffene Frau überhaupt als Opfer identifiziert wird, hängt heute vor allem davon ab, in welchem Kanton sie mit den Behörden in Kontakt tritt. Darüber hinaus müssen die zuständigen MitarbeiterInnen in den Behörden in allen Kantonen zu Menschenhandel sensibilisiert und weitergebildet werden.
Die von Menschenhandel Betroffenen auf die Rolle der Opfer zu reduzieren, birgt neue Abhängigkeiten. Daher forderte der cfd vehement, das Aufenthaltsrecht von der Aussagebereitschaft in einem Strafprozess zu entkoppeln. Sonst werden Frauen weiterhin kriminalisiert, illegalisiert und instrumentalisiert. Solange Menschenhändler damit drohen können, dass Frauen ausgewiesen werden, weil sie illegal in der Schweiz sind, bleiben sie erpressbar und abhängig. Diese Form der strukturellen Gewalt begünstigt andere Formen von Gewalt. Die Betroffenen müssen einen Rechtsanspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung haben, unabhängig von ihrer Aussagebereitschaft in Strafverfahren.
Von Frauenhandel betroffene Frauen brauchen vor und nach der Kampagne Unterstützung, Schutz und Recht. Die Petition ist eingereicht, für ihre Umsetzung ist jetzt politische Arbeit angesagt.
Theodora Leite Stampfli
