/ Auswege aus Gewalt an Frauen: Kampagne ist gestartet!

Guten Tag

Die vielfältigen Zusammenhänge, die bei Gewalt gegen Frauen mitspielen und diese begünstigen, betonten alle ReferentInnen an der Medienkonferenz zum Start der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen". Die Vielschichtigkeit ermöglicht aber auch eine Vielzahl von Ansätzen, um Wege aus der Gewalt sowohl auf kollektiver als auch individueller Ebene zu finden.


Cécile Bühlmann, Geschäftsleiterin der feministischen Friedensorganisation cfd, die die Kampagne in der Schweiz organisiert, betonte, dass Gewalt gegen Frauen nicht einen einzigen Grund hat, sondern diverse Risikofaktoren gewaltsames Verhalten begünstigen. Zu diesen Risikofaktoren gehören ungleiche Machtverhältnisse in Paarbeziehungen, Alkohol und Suchtmittel sowie mangelnde Stressbewältigungsstrategien. Sie warnte davor, an Beratungsstellen zu sparen und Opferschutzgesetze weiter unter Druck zu setzen.

Sylvie Durrer, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG), griff diesen Punkt auf. Es gebe bislang keine konkreten Zahlen über die volkswirtschaftlichen Kosten, die Gewalt gegen Frauen verursacht. Daher habe das EBG für 2012 eine Studie in Auftrag gegeben. Sie verdeutlichte, wie wichtig Studien zu den verschiedenen Aspekten von Gewalt gegen Frauen sind, um Stereotype durchbrechen zu können. Das Tabu, von häuslicher Gewalt zu sprechen, habe sich zumindest gelockert, wie politische Vorstösse zeigen. Auch gesellschaftlich habe sich bereits etwas verändert und 2010 sind Straftaten im Kontext häuslicher Gewalt gegenüber dem Vorjahr um 3% zurückgegangen.

Big Zis, Rapperin und Gewinnerin des Swiss Music Awards, verdeutlichte den Zusammenhang, der in der Kunst zwischen Sexismus und Verkaufszahlen besteht: Mit sexistischen Posen lasse sich Musik besser verkaufen. "Das Verheerende ist die Macht über Frauen, die Androhung von Gewalt gegen Frauen, die sexistische Posen eben zu sexistischen Posen machen." Die Art und Weise, wie Produkte feil geboten werden und wie KonsumentInnen darauf reagierten, spiegele ein Gesellschaftsbild, in der Männer noch immer privilegiert und Frauen unterworfen sind.

Dies wurde von Heinrich Müller, Geschäftsführer der Berner Fach- und Beratungsstelle STOPPMännerGewalt, bestätigt. "Männer haben genaue Vorstellungen darüber, wo sie als Mann souverän sein sollen, sie sind der Meinung, dass stets der Mann innerhalb einer Beziehung die Entscheidungen zu treffen hat." In der Beratung sollen neue Rollenbilder erarbeitet werden. Die Mehrheit der Männer komme oft nach einem Erstvorfall als Freiwillige. Für 2013 wolle der Kanton Bern ein neues Konzept umsetzen, so dass auch Männer, die gegenüber der Polizei als Gewalttäter gemeldet wurden, von Täterprogrammen proaktiv angesprochen und zu einer Beratung motiviert werden können.

Claire Magnin, Leiterin des Frauenhauses in Biel, sprach die neuen Aspekte an, denen Frauen sich heutzutage ausgesetzt sehen, wenn sie sich aus häuslicher Gewalt lösen (wollen): Stalking und elektronische Medien. Heute sei es auch schwieriger, eine Arbeit zu finden, aber erst mit dieser finanziellen Unabhängigkeit könnten sich Frauen auch gut aus Gewaltverhältnissen lösen. Insbesondere Migrantinnen haben unter diesem Umstand zu leiden: sofern sie auf Sozialhilfe angewiesen sind, wenn sie sich aus einer gewaltsamen Beziehung lösen, verlieren sie ihr Aufenthaltsrecht. "Es ist wichtig, zu schützen und zu unterstützen, aber nicht zu kontrollieren", hielt sie fest.

An der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" beteiligen sich mehr als 50 Organisationen und Institutionen in der Deutschschweiz. Die Kampagne dauert vom 25. November bis 10. Dezember 2011. Auf der Website der Kampagne www.16tage.ch finden Sie weitere Informationen, das vielfältige Veranstaltungsprogramm, die Liste der KampagnenpartnerInnen sowie die Referate und Fotos der Medienkonferenz und Lancierungsaktion.


Auskunft:
Rahel Ruch, Campaignerin cfd / Tel. 031 300 50 66, 077 491 90 29 / rahel.ruch@cfd-ch.org
Trudie Joras, Kommunikation cfd / Tel. 031 300 50 79, 079 323 60 43 / trudie.joras@cfd-ch.org

Über den cfd:
Der cfd ist eine unabhängige, feministische Friedensorganisation. Gemeinsam mit lokalen Organisationen unterstützt er Projekte für Frauen in Nahost, in Südosteuropa und im Maghreb. In der Schweiz realisiert der cfd Projekte für Migrantinnen und nimmt Stellung zu friedenspolitischen Fragen.
www.cfd-ch.org