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Schleiersichten

Perspektivenvielfalt als Sehschule

Das islamische Kopftuch macht Schlagzeilen: Als Inbegriff der Rückständigkeit der anderen, als Symbol der Frauenunterdrückung und als Exotikum, das Neugier weckt auf das andere. Der Schleier und «die islamische Frau, die er verhüllt», sind beliebtes Objekt der westlichen Inszenierung des Islams. Das cfd-Dossier «Schleiersichten» bricht mit dieser einseitigen Sichtweise und bietet mit der «Perpektivenvielfalt als Sehschule» andere Zugänge - für gelebte Solidarität mit Frauen und die Unterstützung ihrer politischen und gesellschaftlichen Forderungen.

Touria, Rabea, Loubna aus Marokko erzählen in persönlichen Geschichten vom Protest gegen das Modediktat oder gegen die Eltern und von amerikanischen Träumen. Amalia van Gent bringt die Kopftuchdebatten in der Türkei mit politischen und ideologischen Machtkämpfen in Zusammenhang. Aktuell sind es vor allem feministische Islamistinnen, welche den festgefügten polarisierten Diskurs aufbrechen, darunter die Theologin Hidayet Sefkatli Tuksal, die in einem Interview zu Wort kommt. Kopftuch und Badeanzug als (juristische) Streitobjekte sorgen auch in der Schweiz immer wieder für Aufregung. Gita Steiner-Khamsi analysiert – speziell in Hinblick auf die Schule – die Funktion der Kopftuchbilder in der Politik. Susanne Kappeler geht aus von der E-Mail-Protestpetition gegen die Situation der Frauen in Afghanistan: Die verengte Sicht, die ihr zu Grund liegt, verweist auf das ideologische Bündnis auch von Feministinnen mit Männermacht.

In der in Auszügen präsentierten Videoinstallation «Frauen, die Perücken tragen» von Kutlug Ataman erörtern vier Frauen aus der Türkei, wann, wo, warum und wie sie Perücken tragen. Ihre individuellen Geschichten verweben sich zu einem ideologischen und historischen Panorama, in welchem das Tragen einer Perücke verschiedene Funktionen erfüllt als Instrument um Identität herzustellen, zu wechseln oder zu verbergen. Für jede Frau ist die Bedeutung eine andere, immer jedoch jenseits allgemein anerkannter und historisch 'gewachsener' Formen der Identität. Damit wird die Perücke zum Ausgangspunkt, um über Geschlecht und Repression nachzudenken.

2000, 42 Seiten, kostenlos

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