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Sorry, Ivanka

Feminismus war lange Zeit ein Schimpfwort. Von «männerhassenden Frauen» war die Rede, von «Haaren an den Beinen und an den Zähnen», von zu extremen Positionen. Nicht selten musste ich mich gegen diese Stereotypen wehren, die geschickt darauf abzielen, den Feminismus politisch kaltzustellen, oder musste müde lächeln, wenn ich gefragt wurde, ob ich als Hobby BHs im Garten verbrenne.

Spätestens seit den internationalen Schlagzeilen zu den barbusigen Femen oder der lässig-punkigen Aktion der Pussy Riots gegen Putin hat sich der Wind gedreht. Erst nur zögerlich, seit der Wahl Donald Trumps aber mit starkem Auftrieb. Die Women’s Marches in den USA haben zu Protest auf dem ganzen Globus geführt und den Feminismus wieder salonfähig gemacht. Man muss sich nicht mehr dafür rechtfertigen, wenn man feministische Positionen vertritt (ausser man zeigt einen nicht marktkonformen Körper, gell Tamara Funicello). Sich Feministin oder Feminist zu nennen ist in Mode und zwar wortwörtlich: Modehäuser wie Versace oder Prada haben T-Shirts auf den Markt gebracht, die feministische Slogans ausführen. Und Mitglieder verschiedenster Parlamente haben sich am 8. März medienwirksam beim Stricken von Pussyhats ablichten lassen. Feminismus wird also nicht nur vom politischen Establishment zum Stimmenfang annektiert, sondern auch kommerziell vermarktet.

Aus meiner Sicht sind das Perversionen des feministischen Grundgedankens, der in der Kritik gesellschaftlicher Normen und auf dem Anprangern von Ungerechtigkeit wurzelt. Dass Politikerinnen und Politiker, die in den letzten Jahren beispielsweise für die Kürzung von Gleichstellungsgeldern gestimmt haben, sich nun mit den Frauenkämpfen solidarisieren und dass Modehäuser, die Frauen in China oder Bangladesch zu Niedrigstlöhnen schuften lassen, nun unter pinker Fahne marschieren, macht mich wütend. Feminismus darf nicht Mainstream sein. Feminismus muss wehtun – weil er auf Tatsachen hinweist, die man zu gerne ignoriert, weil sie unbequem sind. Ich halte nichts von rosarotem Wohlfühl-Feminismus, von Pussyhats aus der Billig-Modekette und politischen Statements nur für die Presse.

Und doch: Irgendwie freut mich dieser Aufwind. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen sich am Women’s March für feministische Anliegen stark gemacht haben, dass Männer sich selbstverständlich einreihen und dass Politikerinnen und Politiker aus allen politischen Lagern Seite an Seite für den Erhalt des Gosteli-Archivs kämpfen. Dass Künstlerinnen wie Madonna und Staatsfrauen wie Michelle Obama vor einem Weltpublikum auf Frauenrechte pochen. Es könnte alles so schön sein – wenn nur Ivanka Trump nicht wäre. Auch sie, Tochter des wohl frauenverachtendsten amerikanischen Präsidenten aller Zeiten, nennt sich Feministin und vermarktet damit gekonnt ihre Highheels – Made in China natürlich, auch wenn der Vater den Protektionismus neu aufleben lässt. Ihre Schuhe sind gedacht für die Top-Managerinnen dieser Welt, die – wie sie selbst – lächelnd im sexy Outfit ein Kind auf den Armen balancieren und dabei schon die nächsten Meetings vereinbaren. Die so realitätsfremd sind, dass sie auf keinem einzigen Pressebild mit Babykotze auf der Bluse zu sehen sind.

Deshalb: Sorry, Ivanka. Solange du dich Feministin nennst ohne dabei zu realisieren, dass an dieser Aussage etwas nicht stimmt, muss ich auf die Strasse gehen, muss ich weiterschreiben, weiterlesen, mich weiter vernetzen, muss ich weiter intervenieren. Denn solange braucht es unseren Einsatz für einen Feminismus, der mehr ist als leere Worthülse.  

Christina Klausener  Verantwortliche Campaigning  

PS: Falls Ivanka die Kriegsgeschäfte-Initiative (kriegsgeschaefte.ch) unterschreibt, revidiere ich meine Meinung. Aber nur dann.