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CFD

Herzenssache Frieden und Frauen

Der cfd hat an der Mitgliederversammlung Monika Stocker als Präsidentin verabschiedet. Seit bald 50 Jahren hat sich Monika Stocker im Netzwerk mit und um den cfd in der Frauen-Friedensbewegung engagiert. Im Gespräch zu ihrem Rücktritt erzählt sie ein Stück Frauen-, Friedens- und cfd-Geschichte.  

Seit den 1970er-Jahren bist du mit dem cfd verbunden. Wie kam es dazu?

Ich gehöre zur berühmten 68er-Generation. 1968 war ich in Fribourg an der Uni. Vietnam, die Frauenbewegung, die Friedensbewegung, der Aufbruch, Paris im Mai 68 waren die grossen Themen. Die Stimmung war: «Jetzt wollen wir diese Welt in Ordnung bringen.» Das mag heute naiv klingen, aber es gab uns viel Energie und wurde zu einem Lebensgefühl. Der cfd war als Friedensinstitution präsent, verbunden mit den Themen Versöhnung und Nahostkonflikt. Ich wurde bei den Frauen für den Frieden aktiv, zusammen mit Marga Bührig, Rosmarie Kurz, Susanne Grogg und anderen. Es entstand ein Netzwerk, das die Themen Frauen und Frieden zusammen brachte. Die Friedensthematik stand für uns damals im Vordergrund. In der KAGAS, der kirchlichen Arbeitsgruppe für alternative Sicherheit, diskutierten wir viel und realisierten, dass der Kriegstreiber-Wahn von Männern ausgeht, dass Frieden, Krieg und Macht etwas mit der Geschlechterfrage zu tun haben. Aus dieser gemeinsamen Erkenntnis entstand die Überzeugung, dass feministische Friedensarbeit eine Relevanz hat. Der cfd entschied dann, die Frauenstelle einzurichten und definierte sich als feministische Friedensorganisation.  

Du warst in der ersten Begleitgruppe der Frauenstelle für Friedensarbeit, die der cfd 1981 gegründet hat. Was waren die Themen?

Ein wichtiges Thema war zum Beispiel die Gesamtverteidigungsideologie. Es wurde so eine Hybris aufgebaut, man sei von ganz vielem bedroht, man müsse sich verteidigen. Wir sagten immer wieder öffentlich: «Das ist verrückt.» Es gab unter Frauen eine heftige Auseinandersetzung darüber, was uns sicher macht. Dadurch kamen wir zu Themen wie der Gleichstellung in der Verfassung, dem Gleichstellungsgesetz, dem Eherecht, Scheidungsrecht, die in den 1970er, -80er-Jahren debattiert wurden. Das alles führte zu einer Bewegung, in welcher der cfd eine wichtige Rolle spielte und ein Sprachrohr für diese Themen war. Die Tagung «Politisch wirksam sein», die wir organisierten, war dann auf unseren Fichen vermerkt. Dem Nachrichtendienst war es offenbar wichtig genug, jemanden zu schicken, um alles festzuhalten. Daran merkt man, wie die Stimmung damals war. Diese Sprengkraft, die Frauen zugetraut wird, können wir nutzen. Darum mag es mich immer wieder, wenn Frauen sich instrumentalisieren lassen, um gegen die Frauen und die Emanzipation zu reden.  

Welchen Stellenwert hat für dich das Politische in der Arbeit des cfd?

Einen grossen. Es war für uns damals eine existentielle Erkenntnis, dass Frieden und Frauen zusammen gehören. Wir haben viel gelesen aus der ersten Frauenbewegung und konnten bei allen frauenpolitischen Diskussionen, sei es zum Eherecht, Scheidungsrecht etc. darauf verweisen. Der cfd war ein wichtiger Knoten im Netzwerk. Als Nationalrätin war ich für viele Frauen Anlaufstelle für Informationen. Das war der rote, oder besser grüne, Faden, der die cfd-Geschichte immer begleitet hat: Das Offizielle, aber auch das Informelle, das Netzwerk. Gertrud Kurz ging zum Bundesrat, aber gleichzeitig hat sie einfach gemacht. Ich glaube, diese Mischung ist gut, es ist ein Markenzeichen des cfd.   Was konnte der cfd deiner Ansicht nach in den letzten 10 Jahren bewegen? Er ist wieder stärker in der Arbeit mit den Migrantinnen, durch das Mentoring-Projekt, aber auch dadurch, dass wir uns zur Asyldebatte vernehmen lassen. Wichtig ist zudem, dass wir in Südosteuropa, in Nahost und Nordafrika präsent sind und Projekte realisieren. Es bleibt ein cfd-Merkmal, den Finger auf Orte zu legen, wo sonst nicht hingeschaut wird, und zwar unter dem Aspekt Frauen.  

Was möchtest du dem cfd mit auf den Weg geben?

Ich denke, die Gefahr eines Flächenbrandes von Nationalismus in Europa ist da. Da muss der cfd, müssen wir alle, ganz hellhörig sein und artikulieren, was läuft. Wenn jemand lautstark sagt: «So geht es nicht», ermutigt das auch andere wieder. Wenn wir aber alle Duckmäuser werden, ist es gefährlich. Der cfd hatte schon früher die Rolle, die Sachen mutig beim Namen zu nennen. Daran müssen wir festhalten. Ich wünsche mir für die Frauen-Friedensbewegung, dass wir wieder etwas mutiger und lauter werden.  

Was nimmst du mit aus dem cfd?  

Ich bleibe dem cfd natürlich verbunden, das ist ein Teil meines Lebens. Diese sieben Jahre als Präsidentin waren eine gute Zeit, dreieinhalb Jahre mit Cécile Bühlmann als Geschäftsleiterin, dreieinhalb mit Carmen Meyer. Sieben Jahre sind ein guter Bogen in einer Organisation. Frauen und Frieden sind «meine» Themen und werden es bleiben.  

Herzlichen Dank für dein grosses Engagement und das interessante Gespräch!