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KimBo: Rappen gegen geschlechtsspezifische Gewalt

KimBo und Rapper BIGMaa. im Musikvideo zum Song

Rapperin KimBo und Rapper BIGMaa. im Musikvideo «Partychick & Partydick»

Kim Bollag alias „KimBo“ macht „gesellschaftskritischen Rap mit feministischem Input“ und ist Mitarbeiterin der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ im cfd. Dafür hat sie einen Song und Video zum Thema Belästigung von Frauen in Clubs und Bars produziert. Für die cfd-Zeitung gibt sie zusammen mit der Kampagnen-Verantwortlichen Milena Geiser (MG) Auskunft.

Wie kam es zu diesem Video und wie ist die Verbindung zum Fokusthema der 16 Tage-Kampagne 2016 „Bild. Macht. Mensch: Rollensichten“?
MG: Es ist ein Anliegen des cfd, auch Jugendliche mit seinen Themen anzusprechen, sie zu sensibilisieren und präventiv gegen geschlechtsspezifische Gewalt vorzugehen. Dafür wollten wir kampagnenübergreifende, schweizweite Aktionen – so kam es zu diesem Video. Wie im Fokusthema der diesjährigen Kampagne geht es im Video um Rollenbilder und sexuelle Belästigung von Frauen im Ausgang. Wir wollen zeigen, dass es unwichtig ist, ob eine Frau „sexy“ gekleidet ist oder nicht. Belästigung kann alle treffen. In unserer Gesellschaft scheint es normal, dass Frauen im Nachtleben angefasst werden.

KimBo: Genau. Das Rollenbild ist angelehnt an etliche Gangsta-Rap-Videos, in welchen der Mann der „Triebgesteuerte“ ist und die Frau passiv. Sie räkelt sich vor ihm und wird erobert. Das Video soll diese Rollenbilder und Stimmungen im Ausgang mithilfe überspitzter Parodie sichtbar machen. Dass es in der Realität meistens nicht so zu geht, ist klar. Es geht aber darum, die Leute aufzuwecken und zur Diskussion und Kritik anzuregen.

Wehren sich Frauen zu wenig, weil sie es normal finden, auf diese Art angemacht zu werden?
KimBo: Ich glaube, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Manchen Frauen fehlt es an Motivation, sich zu wehren. Ich selbst habe mal einen Typen geschubst, der hat dann zurück geschubst. Wenn man sich wehrt, kann es unangenehm werden. Man muss auch den Mut dazu haben. Meistens ist es leider so: Wenn frau von einer solchen Situation erzählt, wird gleich gefragt: Wie warst du angezogen? Wie hast du getanzt? Darum sollte es einfach nicht gehen

Wollt ihr junge Menschen ansprechen?
KimBo: Definitiv, ja. Wir haben uns dem Musikstil «Trap» (Subgenre des Hip-Hop) angenommen und zusammen mit jungen, innovativen Künstlerinnen und Künstler gearbeitet, die aus dem Milieu kommen. Wir haben sehr darauf geachtet, dass es authentisch bleibt. Junge Menschen sollen sich identifizieren können.

Warum braucht es dieses Video genau jetzt?
KimBo: Weil die Problematik in den letzten zehn Jahren zugenommen hat, zumindest sieht es so aus, wenn man die Medien beobachtet. Und es wurde zu wenig thematisiert. Deshalb ist es dringend nötig, darüber zu reden.

MG: Mit dem Video soll auch die Solidarität unter den jungen Menschen geschärft werden. Auch Barpersonal, das oft überfordert ist mit solchen Situationen, kann damit sensibilisiert werden.

Das Video können Sie unter www.16tage.ch anschauen.

Interview: Stefanie Bucher, Kommunikation