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cfd unterwegs - Von Japan in die Schweiz

Seit Februar 2016 nehme ich am Projekt «Migrantinnen in Netzwerken der Arbeitswelt - Berufsmentoring» teil. Das Projekt besteht aus drei Komponenten: Workshops zu verschiedenen Themen, Veranstalten eines Werkstattgespräches und Zusammenarbeit mit einer Mentorin. Jede Komponente hat eine wichtige Rolle im Programm.

Bei Workshops lernen wir viel über uns selber und wie wir uns präsentieren können. Die Workshops geben uns viel Zeit zu überlegen, wer wir sind, was wir können und wollen, usw. Über solche Dinge habe ich bisher nie nachgedacht, da mir immer andere Dinge, vor allem meine Tochter, wichtiger waren. Ich hatte das Gefühl, ich bin irgendwie verloren. Ich wusste nicht mehr, was mein Ziel ist. Seit ich im Programm bin, habe ich mich, meine Stärken und mein Ziel wiedergefunden. Ich bin eigentlich ein sehr zielorientierter und ehrgeiziger Mensch, aber diese Stärken helfen mir nicht, wenn ich kein Ziel habe.

Ein Werkstattgespräch zu organisieren ist eine Herausforderung. Wir müssen an viele Sachen denken: Das wichtigste ist, ein Thema auszuwählen. Danach müssen wir ein Lokal finden, uns für ein Datum entscheiden und eine Referentin finden. Diese Dinge sollen fast gleichzeitig gemacht werden, weil man ohne Datum keinen Raum mieten und keinen Termin mit den Referentinnen vereinbaren kann. Ohne Raum kann die Veranstaltung nicht stattfinden. Wenn wir nicht analytisch denken und gut vorbereiten, könnte alles schief gehen. Aber auf der anderen Seite ist es grosse Chance, um zu zeigen, was wir wirklich können. Durch das Veranstalten des Werkstattgesprächs bekommen wir die Gelegenheit dies zu beweisen. Ausserdem können wir uns auch davon überzeugen, dass wir wirklich gut sind, in dem was wir tun. Da wir als Team arbeiten, kann jede die Arbeiten übernehmen, in denen sie gut ist. Das ist der beste Weg, unsere Stärke nutzbringend anzuwenden und gleichzeitig ein erfolgreiches Werkstattgespräch zu organisieren. Das Wichtige ist aber, dass alle Teammitglieder mitdenken und mitmachen. Eine gute Teamleiterin ist nichts, wenn sie kein Team hätte.

Im Programm bekommt jede Teilnehmerin eine Mentorin, die eine Fachperson im Bereich ist, wo wir arbeiten möchten. In Japan habe ich den Bachelorabschluss in Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen und den Diplomabschluss in Betreuung. Meine Mentorin hat mehrere Jahre Erfahrung als Sozialarbeiterin. Da es im sozialen Bereich so viele verschiedene Stellen und Aus- und Weiterbildungen gibt, hilft es mir sehr zu wissen, für welche Arbeit was gefragt ist. Von meiner Mentorin habe ich wichtige Informationen zum entsprechenden Bereich erhalten. Aber das passiert nicht automatisch. Ich habe meiner Mentorin so viele Informationen wie möglich von mir gegeben, so dass sie eine Idee bekommt, wer ich bin und was ich von ihr erwarte. Ich warte nicht einfach ab, bis ich Information bekomme. Ich versuche vorher selber herauszufinden, was ich nicht weiss. Ohne dies zu wissen kann ich keine Fragen stellen. Wenn ich nichts frage, weiss meine Mentorin nicht, welche Informationen ich benötige. Eine Mentorin zu haben ist sehr hilfreich, weil ich erfahren kann, was mir fehlt, welche Möglichkeiten ich habe. Solche Informationen sind schwierig selber zu finden, weil im Internet sehr oft allgemeine Information stehen. Da wir Ausländerinnen sind, sind die allgemeinen Informationen manchmal nicht ganz nützlich oder es ist nicht klar, was uns fehlt.

Das Mentoring-Programm ist ein Programm, das uns hilft, unser Netzwerk zu erweitern, Selbstvertrauen zu gewinnen und viele Informationen zu sammeln. Dadurch können wir ein klares Bild vom Arbeitsmarkt in der Schweiz bekommen. Zusätzlich bekommen wir die Gelegenheit, unser Können unter Beweis zu stellen. Aber ich möchte betonen, dass das Projekt uns nur hilft, wenn wir uns aktiv einsetzen. Man sollte nicht vergessen, dass nur da zu sein und sich zu wünschen, ein Wunder würde passieren, nichts bringt. Nur zu behaupten «Ich kann es sehr gut, wenn ich voll Gas gäbe» und es nicht zu tun, ist dasselbe als würde diese Person nichts können.

Natsume Furer, Mentee