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Beratungszentrum für Opfer von Gewalt in Sidi Moussa

Sidi Moussa, Algerien: Eingangsschild der Organisation SARP an Gitter

Die Proteste, die im Zug des „Arabischen Frühlings“ 2011 auch in Algerien stattfanden, wurden von der Regierung unterdrückt. Die Parlamentswahlen im Mai 2012 bestätigten die bestehenden Machtverhältnisse mit einer sehr tiefen Wahlbeteiligung. Ein neues restriktives NGO-Gesetz erschwert seit Anfang 2014 die Arbeit der Zivilgesellschaft.

Dass trotz der prekären Lebensbedingungen in Algerien kein Umsturz stattgefunden hat, hängt auch mit der noch stark präsenten Erinnerung an den blutigen Konflikt der 1990er-Jahre zusammen. Die danach gesetzlich festgelegte „nationale Versöhnung“ führte pauschale Amnestie-Regelungen ein. Faktisch erhielten damit sowohl die islamistischen Terroristen wie auch die staatlichen Sicherheitskräfte Straffreiheit. Diese „Versöhnungsstrategie“ genügt in keiner Weise den Forderungen nach Gerechtigkeit und Respekt gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. In der Region von Sidi Moussa hat ein grosser Teil der Bevölkerung Massaker miterlebt oder Angehörige verloren. Das Schweigen über diese Erlebnisse hat in vielen Familien zu einer Zersplitterung der Beziehungen geführt. Oft wird diese Situation begleitet von Gewalt innerhalb der Familie. Viele, vor allem Jugendliche, sind arbeitslos und haben keine Perspektiven. Häusliche Gewalt ist weit verbreitet. Die meisten der betroffenen Frauen sprechen aus Angst, Scham und wegen der finanziellen Abhängigkeit nicht über ihre Gewalterfahrungen.

Der cfd unterstützt gemeinsam mit der Partnerorganisation Association pour l'Aide, la Recherche et le Perfectionnement en Psychologie SARP Menschen, die politische und häusliche Gewalt erlebt haben und sozial unter schwierigen Bedingungen leben. Er unterstützt sie in der Verarbeitung ihrer traumatischen Erlebnisse in der Entwicklung neuer Lebensperspektiven.