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/ 70 Jahre cfd

Interview mit Helen Stückelberger


Eher skeptisch nahm Helen Stückelberger das cfd-Mitteilungsblatt ihrer Mutter in die Hand. Doch sie war begeistert. Ab 1958 nahm sie an Aufbaulagern in Frankreich und Dänemark teil, legte Hand an beim Bau von Strassen und diskutierte nächtelang. An den jährlichen Treffen in Herzogenbuchsee lernte sie «Mutter Kurz», Flüchtlinge und andere Schweizer AufbauhelferInnen kennen – und ist fasziniert vom jahrzehntelangen Zusammenhalt und der Verbundenheit, die sich aufgrund dieser gemeinsamen Arbeit entwickelten.


Helen Stückelberger: «1960 war ich bei einem der ersten Einsätze des cfd in einem Kibbuz dabei. Mit uns in der Gruppe waren zwei Deutsche. Beim Wechsel in einen anderen Kibbuz hiess es, einige Mitglieder dort würden die Deutschen nicht akzeptieren. Es gab auch mit den Kibbuz-BewohnerInnen nächtelange Diskussionen – die ganze Vergangenheit kam hoch. Sie sagten: «Das ist unser Wohnort und wenn zwei von unseren Mitgliedern die Deutschen nicht akzeptieren, dann geht es nicht ums Mehrheitsprinzip, sondern darum, sie zu achten.» Für uns als BürgerInnen eines demokratischen Landes war es schwierig, diese Einstellung zu begreifen. Mir aber ist das unter die Haut gegangen, dass man die Menschen respektierte, aber so lange diskutierte, bis man eine Lösung gefunden hatte. Später fragte eine Lagerteilnehmerin, die arabische Flüchtlingen im Libanon kennen gelernt hatte: «Es gibt doch noch AraberInnen? Wie ist es denn beim cfd? Dort heisst es doch immer: auf beiden Seiten Mauern einreissen und Brücken bauen…» Das war 1961 der Anstoss für cfd-Projekte in Palästina, ab 1967 auch in einem Kinderheim in Bethanien bei Jerusalem.
Ab 1964 arbeitete ich im Jugendsekretariat des cfd, war auch auf der griechischen Insel Levkas mit dabei und erlebte so die ersten Entwicklungsprojekte des cfd hautnah mit. Während meiner Zusatzausbildung machte ich 1970 ein Praktikum im Kinderheim in Bethanien. Im cfd war man sich davor schon einig, die Projekte in Palästina auszubauen. Ich konnte «Mutter Kurz» leicht überzeugen, mich längerfristig nach Bethanien zu entsenden und bin bis 1980 geblieben. Auch heute noch habe ich Kontakt zu einigen der nun erwachsenen Waisenkinder und Behinderten. Lange Jahre war ich das Bindeglied zwischen cfd und Bethanien. Zukünftig wird mein Engagement ohne den cfd aber immer noch für Bethanien weitergehen, denn wir sind dabei, einen Verein zu gründen.»


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