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/ «Jetzt beginnt mein richtiges Leben!»


Dreiundzwanzig hoch qualifizierte Migrantinnen treffen sich im Mentoring-Projekt des cfd mit Schweizer Kolleginnen, die im Berufsleben stehen und sie bei der Arbeitssuche unterstützen. Die Duette ratsuchender Mentees und beratender Mentorinnen tauschen sich seit Anfang 2007 Jahr aus. Der cfd koordiniert und begleitet sie. Vier Teilnehmerinnen erzählen von ihren ersten Erfahrungen.

Magdalena, Du bist Soziologin, was bringt Dir die Begleitung durch das Mentoring-Projekt?

Magdalena Dampz: Ich bin seit fünf Jahren auf der Suche nach einer adäquaten Stelle. Der cfd hat für mich eine Mentorin gefunden, die den gleichen Studienabschluss hat und Schweizerin ist, so kann ich von ihrem beruflichen Netzwerk profitieren. Während des ersten Treffens hat mir meine Mentorin gesagt, dass sie mich für einen befristeten Aushilfsjob an der Universität empfehlen könnte. Sie kannte jemanden, der eine Soziologin brauchte. Nach einem Monat lief das Projekt aus, wurde aber verlängert. Gleichzeitig hatte ich eine Bewerbung laufen, da war es sehr hilfreich, den Job an der Uni als Erfahrung und Referenz angeben zu können. Mittlerweile habe ich diese Arbeit bekommen, eine 60%-Stelle in der Suchtforschung, einem Bereich, zu dem ich schon in Polen publiziert habe. Nach jahrelangen Jobs in der Gastronomie endlich die erste Anstellung, die meinem Profil entspricht, mit bezahlten Ferien und einer Perspektive! Ich habe das Gefühl, jetzt beginnt mein richtiges Leben!

Gisela, wie kannst Du als Mentorin Deine Mentee begleiten?

Gisela Tödtli: Ich bin zwar jünger als meine Mentee und habe erst zwei Jahre Berufspraxis, aber ich bin selber früher bei einem Mentor gewesen und habe viele Bücher über Bewerbungen gelesen und dachte, das könnte ich auch umdrehen. Meine Mentee hat zwar an Kursen des regionalen Arbeitsvermittlungszentrums teilgenommen, aber ich kann sie viel spezifischer beraten, da ich ihren inhaltlichen und beruflichen Hintergrund teile. Ich glaube, sie muss sich einfach besser verkaufen, so dass jemand, der die Bewerbung liest, weiss: «Aha, das ist jemand, die ist so und so, die kann dies und jenes und passt deshalb auf die Stelle.» Ihre Ausbildung ist gut und wenn in einer Absage etwas von «Sprachproblem» steht, kann das höchstens eine Ausrede sein.

Silvana und Corinne, wie sieht der Austausch in Eurem Duett aus?

Silvana Wernli: Ich bewerbe mich seit einem halben Jahr auf viele verschiedene Stellen. Meine Mentorin Corinne und ich haben meinen Lebenslauf überarbeitet und gemeinsam überlegt, wo meine Stärken liegen und was ich mit meinem Studium der sozialen Kommunikationswissenschaft in der Schweiz machen könnte. Wir haben regen Kontakt per E-Mail, ich schicke ihr meine Bewerbungsschreiben und sie als Journalistin macht Veränderungsvorschläge nach Schweizer Modell. Wir passen gut zueinander, denn meine Mentorin hat in Lateinamerika gearbeitet, kennt also meinen Hintergrund. Mit dem Mentoring-Projekt möchte ich herausfinden, was meine Arbeit in der Schweiz sein könnte, denn vielleicht hat alles, was ich mir bislang selber überlegt habe, gar nichts mit der beruflichen Realität hier zu tun.

Corinne Dobler: Ich lerne immer gerne Leute kennen, ausserdem habe ich nach meiner Rückkehr aus Brasilien selber lange eine Stelle in der Schweiz gesucht, deshalb habe ich viel Erfahrung und kann nachfühlen, wie es ist, sich erfolglos zu bewerben. Mir ist es auch ein Anliegen, einen Beitrag im Sinne von Chancengleichheit zu leisten und nicht immer nur zu reden. Bislang haben wir Silvanas Lebenslauf sprachlich überarbeitet. Dann habe ich gute Kontakte zu verschiedenen Organisationen. Silvana hat auch selber tolle Ideen: Sie hat zum Beispiel angeboten, die Website von Roger Federer ins Spanische zu übersetzen, und die haben positiv reagiert. Genau bei solchen Initiativen sollte man die Mentees ermutigen.

Silvana Wernli: Mir hilft das Mentoring-Projekt auch einfach ganz ideell. Ich habe in der Schweiz bei Coop angefangen zu arbeiten und wurde langsam in den Kontakt mit der Kundschaft eingeführt, so dass ich nicht gleich mit Fragen konfrontiert war wie zum Beispiel, wo die Dörrbohnen sind. Das war dennoch ein Kulturschock und an meinen freien Tagen habe ich viel geweint. Jetzt habe ich durch meine Mentorin Kontakt zu meiner Berufswelt, und jetzt lachst du vielleicht, aber das ist auch wichtig jetzt kann ich in Argentinien erzählen, dass ich an einem Projekt mitmache. Das hat viel mit Identifikation und Selbstvertrauen zu tun.

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann unterstützt das Mentoring-Projekt im Rahmen der Finanzhilfen nach dem Gleichstellungsgesetz. Die personelle Begleitung einer Mentee kostet den cfd Fr. 73. / Monat.

Trudie Joras