Die Sicherheit migrierender Frauen
Weltweit migrieren mehr Frauen als Männer. In den reichen Ländern ist die Nachfrage nach Dienstleistungen von Migrantinnen in der Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege gross. Trotzdem wird die Migration von Frauen nicht im Rahmen der globalen Wirtschaft, der Suche nach besseren ökonomischen Bedingungen oder der Nachfrage nach reproduktiver Arbeit behandelt. Stattdessen leiten konservative Geschlechtervorstellungen, moralische Massregeln und Ängste um die Sicherung und Sicherheit des Nationalstaates den Blick auf die Migration von Frauen und beeinflussen die Massnahmen in diesem Feld. Die Abwehrreaktionen beeinträchtigen den Status, die Rechte und die Sicherheit migrierender Frauen massiv: Immer strengere Einwanderungs- und Grenzkontrollen sowie die Verweigerung von Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen drängen Migrantinnen in illegalisierte Verhältnisse, die von Zwang und Ausbeutung geprägt sind auf der Reise und am Zielort.
Wenn das Recht auf Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung und Entwicklung beschnitten wird, profitiert der Menschenhandel: Rund zweieinhalb Millionen Menschen fallen ihm jedes Jahr zum Opfer, 80 Prozent davon sind Frauen und Mädchen. Auch die Schweiz ist ein Zielland des Frauenhandels, aber durch Sicherheitskontrollen, Razzien und Ausweisungen sollen Frauen während und nach der Euro 08 nicht noch mehr Gewalt erfahren. Eine breite Koalition von Nicht-Regierungsorganisationen will die Fussball-Europameisterschaft nutzen, um für den Frauenhandel zu sensibilisieren und einen wirksamen Schutz für die Betroffenen zu fordern: Die Schweiz soll die Europaratskonvention gegen Menschenhandel ratifizieren, den Betroffenen ein Bleiberecht gewähren und ein wirksames Opfer- und Zeuginnenschutzprogramm anbieten. Um sie nicht zusätzlich zu viktimisieren und gegen die TäterInnen vorzugehen, braucht es mehr Wissen und Kooperation zwischen Behörden und Frauenorganisationen. Neben der Beteiligung an der Kampagne «euro 08 gegen Frauenhandel» arbeitet der cfd deshalb im Kooperationsgremium gegen Menschenhandel des Kantons Bern.
Die Kampagne will gezielt Männer in die Pflicht nehmen. Etwa ein Fünftel der Männer in der Schweiz sind irgendwann Kunden von Sexarbeiterinnen, vielleicht ungewollt von Betroffenen des Frauenhandels. Sie sollen wissen, wie sie sich verantwortungsvoll verhalten können. Falsche Gleichsetzungen von Frauenmigration und Frauenhandel, von Sexarbeit und Zwangsprostitution tragen hingegen nichts bei zum Empowerment migrierender Frauen. Sie sprechen Migrantinnen Willen und Handlungsmacht ab und benutzen Frauenrechtsverletzungen als Argument für Ausschlusspolitiken. Deshalb ist es zentral, zwischen einer gewollten Situation und Situationen zu unterscheiden, in denen das Einverständnis der Frau fehlt oder ihre Migration erzwungen wird. Das Verbrechen liegt im Missbrauch und in der Gewalt während der Migration und nicht in der Mobilität der Frauen an sich. Frauenhandel ist eine Menschenrechtsverletzung. Betroffene brauchen Schutz und haben ein Recht darauf.
Theodora Leite Stampfli, Franziska Müller
