Noch grosse Anstrengungen nötig
«0,7% – Gemeinsam
gegen Armut»
Im Jahr 2000 einigten sich alle Regierungen dieser Welt auf acht konkrete Uno-Millenniumsziele. Sie versprachen, alles zu unternehmen, um bis 2015 die schlimmste Armut und die Zahl der hungernden Menschen zu halbieren sowie die Schulbildung insbesondere für Mädchen und die Gesundheit für Mütter zu verbessern.
Die Zwischenbilanz nach der Halbzeit ist gemischt. In Asien ist der Anteil der extrem armen Menschen heute viel geringer, es gehen weltweit mehr Kinder zur Schule als 2000. Auch die Zahl der medikamentös versorgten Aids-Kranken hat signifikant zugenommen. Es sind jedoch grössere Anstrengungen nötig, um in Afrika die Ziele umzusetzen. Um die Reduktion des in extremer Armut lebenden Bevölkerungsanteils um 50 Prozent zu erreichen muss das Tempo bei der Armutsbekämpfung stark beschleunigt werden. Besorgniserregend ist auch der nach wie vor grosse Anteil von hungernden Kindern sowie die hohe Kindersterblichkeit.
Für die Umsetzung der Millenniumsziele sind in erster Linie die Regierungen der Entwicklungsländer verantwortlich. Sie verpflichteten sich, ihre Politik stärker auf die Armen und Benachteiligten auszurichten, Gesundheit und Bildung zu fördern, die Stellung der Frauen zu verbessern und die Korruption zu bekämpfen.
Um sie zu unterstützen, haben die Industriestaaten zugesagt, den ärmsten Ländern die Schulden zu streichen, die Handels- und Finanzbeziehungen fairer zu gestalten und die Entwicklungshilfe zu erhöhen. Laut Uno muss diese auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens erhöht werden, also auf 70 Rappen pro 100 erwirtschafteten Franken. Die 15 westeuropäischen EU-Staaten beschlossen 2005, dies bis 2015 zu tun.
Anders die Schweiz: Seit 2000 ist die Entwicklungshilfe zwar
leicht gestiegen, aber nur auf dem Papier, weil der Bundesrat neu auch Ausgaben
mitzählt, die mit Entwicklungshilfe nichts zu tun haben, etwa die Betreuung von
Asylsuchenden in der Schweiz.Diese Haltung der Regierung eines der reichsten Länder der
Welt ist nicht akzeptabel. Die Kampagne «0,7% - Gemeinsam gegen Armut» will
Parlament und Bundesrat dazu bringen, sich stärker gegen die weltweite Armut zu
engagieren, damit die Millenniumsziele wie vorgesehen 2015 erreicht werden
können. Eine Petition verlangt, das Budget für Entwicklungszusammenarbeit bis
2015 schrittweise auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens zu erhöhen.
Die Kampagne als feministisches Anliegen – Cécile Bühlmann zum cfd-Engagement
