/ Die Wehrpflicht gehört aufgehoben
Es ist geschafft! Die Wehrpflichtinitiative wurde am 5. Januar 2012 mit 107'280 gültigen Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht.
Care statt Wehr und Ehr!
Von Cécile Bühlmann, Geschäftsleiterin des cfd
Es gilt das gesprochene WortÜber 100 000 Stimmberechtigte teilen das Anliegen von uns InitiantInnen, dass die Aufhebung der Wehrpflicht ein längst fälliger Schritt ist. Für emanzipierte Frauen und Männer gibt es in dieser Debatte ein gewichtiges geschlechterspe-zifisches Argument, nämlich dass die Armee Männer bis heute zu einem ge-schlechterhierarchischen Rollenverhalten erzieht. Das ist in einer Gesellschaft mit gleichberechtigten Geschlechtervorstellungen veraltet und steht im Wider-spruch zur gelebten Praxis von immer mehr Frauen und Männern.
Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Armee immer wieder als "Schule der Nati-on" bezeichnet wurde und damit ganz bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit zementierte. Mit dem Satz von Generalstabsoberst Gustav von Däniken aus dem Jahr 1938 wurde diese Vorstellung auf den Punkt gebracht: "Das Soldatentum ist höchst potenzierte Männlichkeit, die Erziehung zum Soldaten ist die Erziehung zum Manne."
Diese Männlichkeitsvorstellungen waren mit ganz bestimmten Ideen gekoppelt, was ein richtiger Mann sei: er ist Soldat und Krieger, er bewährt sich in Militär und Krieg und braucht dafür Eigenschaften wie Disziplin, Mut, Stärke, Härte, Tapferkeit, Standfestigkeit und Gehorsam, Konflikte werden durch Gewalt gelöst. In dieser Logik galt der Konnex Soldat - Staatsbürger als der tragende Pfeiler der Nation. Frauen waren da nie mit gemeint, ihnen wurden andere Eigenschaften zugeordnet: hegen, pflegen, heilen, verstehen, dienen. Die Idee, dass nur der wehrpflichtige Soldat ein vollwertiger Bürger sei, hat dazu geführt, dass die Frauen in ihrem Kampf für die politischen Rechte immer wieder mit diesem Argument abgewiesen wurden. Das hatte zur Folge, dass die Schweiz als letztes Land den Frauen die poltischen Rechte erst im Jahr 1971 zugestanden hat. Erst mit der mühsam erkämpften Einführung des Frauenstimmrechtes wurde die Trennung von Wehrpflicht und Wahl- und Stimmrecht vollzogen, und alle Versuche, die Wehrpflicht auf Frauen auszudehnen, wurden glücklicherweise bisher immer abgelehnt. Für konservative Kreise war der Grund, dass sie die geschlechterhierarchische Rollenteilung durch den Einbezug der Frauen in die traditionelle Männerdomäne Militär in Gefahr sahen. Für die Mehrheit der friedenspolitischen und der feministischen Kreise kam der Einbezug der Frauen aus grundsätzlicher Kritik am Militarismus und seinem damit verbundenen Männerbild nicht in Frage.
Solche geschlechtsspezifischen Vorstellungen von Männlichkeit wirken bis heute nach und junge Männer werden in der Armee entweder erst dazu gedrillt, sich solch veraltete Vorstellungen von Männlichkeit anzueignen oder andere erhalten Raum und Legitimation, solche alte Verhaltensmuster auszuleben. Also auch aus gleichstellungspoltischer Sicht darf es keine Pflicht zur Dienstleistung in einer solchen Institution geben. Deshalb unterstützt der cfd als feministische Friedensorganisation die Aufhebung der Wehrpflicht für Männer, denn damit wird der Zwang zur Einübung solcher Männlichkeit abgeschafft, wird die Schulpflicht für diese veraltete Schule der Nation aufgehoben.
Es gibt noch eine ganze Reihe von andern Gründen: der Wechsel von der Massen-armee zur Freiwilligenarmee macht personelle und finanzielle Ressourcen für die zivile Friedenförderung und für die Ausgestaltung eines Friedens-, Umwelt- und Sozialdienstes frei. Der freiwillige Zivildienst wird aus dem Logik des Militärischen gelöst und bietet eine friedenspolitische Alternative zur zunehmenden Militarisierung der Gesellschaft. Denn auf der Suche nach Sinn und Zweck der viel zu grossen Armee wird diese immer häufiger zur Bewachung von Sportanlässen, Volksfesten und Gewerbeausstellungen eingesetzt, wofür sie aber völlig ungeeignet ist. Heute sind gewaltfreie Konfliktbearbeitung, Partizipation und Solidarität gefragt, alles Eigenschaften, die der Institution Militär fremd sind. Deshalb: Care statt Wehr!
Weitere cfd-Argumente für die Aufhebung der Wehrpflicht

