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/ Friedensförderung braucht Frauen und ihre Sichtweisen


Ende Januar 2010 schloss cfd-Mitarbeiterin Ursula Keller die letzten Aufgaben ihres Mandats «Gender und Friedensentwicklung» für die DEZA ab. Höhepunkte ihrer Arbeit waren die Beratungsmissionen. Stolz ist sie, dass nun die Humanitäre Hilfe Genderfragen in ihre Arbeit integrieren wird.


Trudie Joras: Ursula, du warst bis Ende Januar 2010 für «Gender and Peacebuilding» beim cfd verantwortlich. Kannst du zusammenfassen, worum es bei diesem Mandat ging?
Ursula Keller: Ab 2003 hatte meine Vorgängerin Patricia Barandun das Mandat für die Sektion Konfliktprävention und Transformation der DEZA inne. Ihre Aufgabe war, Wissen zu Gender und Friedensförderung in der Sektion aufzubauen und die KollegInnen zu beraten, wie dieses Wissen in die Arbeit vor Ort integriert werden kann. In der ersten Phase lag der Fokus auf Grundlagen: Was sind zentrale Schlüsselbotschaften von Gender und Friedensentwicklung? Welche Instrumente gibt es und wie können sie in DEZA-Programmen angewendet werden? Später kamen Beratungsmandate hinzu: In einem Programm zu Gemeindeentwicklung in Mazedonien setzte sich Patricia z.B. dafür ein, dass sich nicht nur die verschiedenen Bevölkerungsgruppen, sondern auch lokale Frauenorganisationen beteiligten. Als ich das Mandat Mitte 2007 übernahm, legte ich den Schwerpunkt stärker auf die Prävention von genderspezifischer Gewalt im Kontext von Krieg und Konflikten, da hier der cfd auch viel Knowhow und Erfahrung einbringen konnte.

Worin lagen die Schwierigkeiten deiner Arbeit?
Ein schwieriges Thema - und das betrifft den Kongo ganz besonders - ist die brutale Gewalt in Konflikten, die gegen Zivilpersonen ausgeübt wird und die Teil der Kriegshandlung ist: Ehemännern wurde gedroht, entweder umgebracht zu werden oder bei der Vergewaltigung ihrer Ehefrauen zuzuschauen. Es kam oft zu enormen Verstümmelungen. Es gibt viel zu wenige Unterstützungsmassnahmen und man fühlt sich ohnmächtig gegenüber dem Ausmass und der Brutalität der Gewalt. Darin gründet auch die Gefahr der Verausgabung, des Burnout für die lokalen MitarbeiterInnen, die mit minimalen Ressourcen in einem noch immer sehr fragilen Umfeld extrem anspruchsvolle Arbeit leisten müssen.
Eine grosse Herausforderung ist auch die Sicherheit der MitarbeiterInnen vor Ort: Um der notorischen Straflosigkeit entgegenzuwirken, ermutigen sie gewaltbetroffene Frauen, Strafanzeige zu erstatten. Deshalb werden sie wiederum von Rebellengruppen, demobilisierten Militärs oder Gangs bedroht und eingeschüchtert. Es ist auch schon vorgekommen, dass eine Mitarbeiterin auf dem Arbeitsweg vergewaltigt wurde. Die Möglichkeiten, das lokale Personal zu schützen sind sehr begrenzt. Aber es ist Teil der Verantwortung der Geldgeber, diese Fragen eingehend mit den PartnerInnen zu diskutieren.

Welche Erfolge siehst du in deiner Arbeit?
Das Mandat hat Grundlagenwissen zu Gender und Friedensentwicklung aufgebaut, das in der DEZA nun vorhanden und mittels schriftlicher Dokumente oder menschlicher Ressourcen abrufbar ist. 
Persönlich waren die Missionen nach Burundi, Kongo und zuletzt in Syrien Höhepunkte, weil ich einen Einblick in neue Kontexte, und mit Afrika auch in eine neue Region, gewinnen konnte. Dabei ist mir die Komplexität von genderspezifischer Gewalt in konkreten Konfliktsituationen noch stärker bewusst geworden. Das Thema sexuelle Gewalt als Kriegswaffe steht oft einseitig im Vordergrund. Dass Frauen auch nach einem Waffenstillstand von Nachbarn vergewaltigt werden oder häusliche Gewalt erleiden, wird dabei oft ausgeblendet. Ich habe versucht aufzuzeigen, dass es nicht nur darum geht, Opferhilfe zu leisten, sondern die gesamte Genderperspektive im Blick zu haben. Daran scheitern die Ansätze der Nothilfe, da sie mit kurzfristigen Planungszyklen arbeiten. Die Folgen, die genderspezifische Gewalt in Konflikten hinterlässt, insbesondere der soziale Ausschluss und dessen konkrete Bedeutung für die gesamte Gesellschaft, wirken aber langfristig. Die Soforthilfe mit langfristigen Empowermentstrategien zu verbinden, ist daher die zentrale Herausforderung in Konflikten.

Was dann aber weit über die akute Humanitäre Hilfe hinausgeht.
Genau, und deshalb ist sie auch so spannend, weil die Nothilfe bzw. Humanitäre Hilfe so gestaltet werden sollte, dass sie für die langfristigen Veränderungen eine Basis bildet. In den Programmen der Grand Lacs war das ein grosses Thema. Angefangen hatten sie damit, etwa 500 vergewaltigten Frauen materielle Hilfe zu leisten, daraus entstand ein Programm, das PartnerInnen in vier Regionen nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial unterstützt sowie die soziale und ökonomische Reintegration betroffener Frauen und Familien begleitet.

Was ist der Grund für das Ende des Mandats beim cfd?
Der Hauptgrund ist, dass es dem cfd nicht möglich war, meine Stelle zu 100% durch externe Mandate zu finanzieren. Der Vertrag «Gender and Peacebuilding» wurde aufgrund der Reorganisation der DEZA nicht mehr verlängert, weshalb der cfd gezwungen war, die Stelle aufzuheben. Im Rahmen unserer Bemühungen, das Mandat fortzusetzen, hatte der cfd Vorschläge gemacht, die Humanitäre Hilfe bei der Umsetzung der DEZA Genderpolitik zu unterstützen. Als Folge daraus hat die Humanitäre Hilfe nun ein zweijähriges Gendermandat ausgeschrieben. Dies ist ein wichtiges Resultat meiner Kooperation mit der Humanitären Hilfe, es kam jedoch zu spät, um meinen Vertrag zu verlängern. Dennoch: das Gender and Peacebuilding-Mandat hat eine konkrete nachhaltige Wirkung erzielt und darauf bin ich stolz.

Ursula Keller   Gender and Peacebuilding
Trudie Joras   Kommunikation

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