/ Das falsche Signal
Die Mehrheit der Schweizer Stimmberechtigten hat sich am 29. November 2009 für ein Minarettverbot ausgesprochen. Der cfd bedauert, dass damit anstelle von Dialog und Offenheit noch vermehrt Abgrenzung und Angst den Umgang mit den MuslimInnen in der Schweiz dominieren werden. Denn es ging nicht nur um den Bau von Minaretten – die BefürworterInnen der Initiative führten eine generell islamfeindliche Kampagne. Es wurde ein einseitiges und pauschales Bild eines patriarchalischen und frauenfeindlichen Islams gezeichnet, das gerade in der Schweiz so nicht der Realität entspricht. Es ist unerhört, dass vor allem die Rechte islamischer Frauen zum Zweck der generellen Diffamierung des Islams missbraucht worden sind. Es ist völlig unglaubwürdig, wenn ausgerechnet jene Kreise, die seit Jahren alle gleichstellungsrelevanten Vorstösse bekämpfen, sich nun plötzlich für die Rechte und Befreiung der angeblich unterdrückten muslimischen Frauen stark machen wollten. Durch die generelle Anfeindung des Islams von aussen werden Reform- und Integrationsbestrebungen in den muslimischen Gemeinschaften unterlaufen und diese Provokation führt zu Rückzug aus der Gesellschaft und zu einer verstärkten Rückbesinnung auf konservative Positionen. Das wirkt sich besonders nachteilig für Frauen aus.
Mit dem Feindbild Islam wurde zwar die Abstimmung gewonnen und ein Minarettverbot eingeführt, der Lösung realer Integrationsprobleme sind wir damit keinen Schritt näher gekommen, im Gegenteil! Für den cfd heisst das deshalb weiterhin, sich für die Gleichstellung aller Menschen unbesehen ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Herkunft einzusetzen und das Empowerment Aller zu unterstützen.
Cécile Bühlmann, cfd-Geschäftsführerin
