/ Women’s Empowerment Project in Gaza
Drei Viertel der Bevölkerung im Gazastreifen sind Flüchtlinge. Sie leben in engsten Verhältnissen, oft unter dem Existenzminimum. Der Alltag ist geprägt von gewaltsamen Auseinandersetzungen mit dem israelischen Militär und unter rivalisierenden palästinensischen Gruppen. Auch nach dem israelischen Abzug bleibt Gaza eine abgeriegelte Zone mit schlechten ökonomischen Aussichten. Viele Frauen kämpfen alleine um das Überleben ihrer Familien, der Zugang zu Bildung und politischer Mitsprache bleibt ihnen jedoch weitgehend verwehrt. Das Women’s Empowerment Project WEP des Gaza Community Mental Health Programme richtet sich an Frauen, die von politischer, struktureller oder häuslicher Gewalt betroffen sind, und führt drei Zentren in Gaza-Stadt, Deir el Balah und Rafah.
Psychosoziale Unterstützung
Mit einem psychosozialen Ansatz stärkt WEP Frauen, damit sie sich gegen Gewalt schützen, aus Abhängigkeitsverhältnissen lösen und ihre Handlungsoptionen erweitern können. In Einzel- und Gruppentherapien haben sie die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Sie lernen, Bedürfnisse und Wünsche zu äussern und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Die Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen von WEP beziehen auch die Familie in diesen Prozess ein und machen regelmässig Hausbesuche. Rechtsberaterinnen sensibilisieren die Frauen für ihre Rechte, begleiten sie in Konfliktfällen, etwa bei einer Scheidung, und vertreten sie wenn nötig vor Gericht. Für die Kinder wird in den zentrumseigenen Krippen gesorgt.
Berufsbildungskurse
Wirtschaftliche Not und fehlende Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten können nicht ignoriert werden, wenn WEP Frauen dabei unterstützen will, neue Lebensperspektiven zu entwerfen. Deshalb sind die berufsbezogenen Kurse in Computer, Beauty und verschiedenen (Kunst-)Handwerken zentral im Programm. Den Absolventinnen gelingt es, Aufträge zu akquirieren und sich damit Einkommensquellen zu schaffen. Besonders beliebt sind die Foto- und Videokurse, denn die Teilnehmerinnen sind begehrte Filmerinnen für Hochzeiten.
Sensibilisierung in Schulen
Um gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken, bietet WEP in Schulen Kurse und Diskussionsforen zu Gender und Gewalt an. Schülerinnen lernen, Rollenbilder zu hinterfragen, Lehrerinnen diskutieren, wie sie mit den spezifischen Bedürfnissen ihrer Schülerinnen umgehen, und Eltern werden ermutigt, sich mit den Visionen ihrer Töchter im Teenageralter auseinanderzusetzen.
Kampagne gegen häusliche Gewalt
WEP nutzt das Wissen und die Erfahrungen aus der langjährigen Projektarbeit mit Gewaltbetroffenen für die nationale Kampagne gegen häusliche Gewalt. Vernetzt fordern palästinensische Frauenorganisationen den rechtlichen Schutz vor häuslicher Gewalt im Strafrecht und im Familienrecht.

