/ cfd-Projekte in Marokko
Der cfd unterstützt in Marokko Organisationen, welche Empowerment-Programme für Frauen und für benachteiligte Kinder und Jugendliche durchführen. Mit Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit kämpfen sie dafür, dass Frauen rechtlich und sozial bessergestellt und Kinderrechte respektiert werden. Die cfd-Partnerorganisation Ligue Démocratique pour les Droits de la Femme LDDF spielte eine führende Rolle in den politischen Auseinandersetzungen um die Reform des Familienrechts. Der Anfang 2004 in Kraft getretene neue «Code de la Famille» ist ein grosser Erfolg für die Frauenrechtsbewegung in Marokko. Die Umsetzung des Rechts im Sinne einer Gleichstellung von Frauen und Männern bleibt aber eine Herausforderung.
Marginalisierung grosser Bevölkerungsteile
Die soziale Kluft zwischen einer privilegierten Oberschicht und einer stark benachteiligten Bevölkerungsmehrheit vergrössert sich weiter: Rund ein Drittel der 31,7 Millionen MarokkanerInnen lebt unterhalb der Armutsschwelle, 48% der Bevölkerung insgesamt und fast 70% der Frauen können weder lesen noch schreiben. Die Zuwanderung vom Land in die Städte verschärft die sozialen Probleme. Die Arbeitslosigkeit ist hoch und der Arbeitsmarkt leergefegt. Vor allem Frauen haben aufgrund von festgeschriebenen und gewohnheitsmässig praktizierten Diskriminierungen sowie fehlender Bildung kaum Zugang zu bezahlter Arbeit. Die in König Mohamed VI gesetzten Hoffnungen auf substanzielle politische Reformen und Armutsbekämpfung wurden bislang nicht erfüllt.
Kinderrechte und Schutz der «Petites Bonnes»
Die Armut zwingt viele Familien, ihre Kinder als Arbeitskräfte einzusetzen. Gemäss Schätzungen arbeiten 16% der Kinder in Marokko in ungeschützten Verhältnissen als StrassenhändlerInnen oder im Sexgewerbe. Besonders weit verbreitet ist der Einsatz von minderjährigen Mädchen als Haushalthilfe (petites bonnes). Dank den cfd-Partnerinnen wird die weit verbreitete Ausbeutung von jungen Frauen in Privathaushalten nun öffentlich wahrgenommen und debattiert. Petites Bonnes, die schwanger werden, werden aus ihren Herkunfts- und den Arbeitsgeberfamilien ausgeschlossen und vom Gesetz als Prostituierte kriminalisiert.
Für die tatsächliche Besserstellung der Frauen
Das neue Familiengesetz bringt entscheidende rechtliche Verbesserungen für die Frauen. Die Verantwortung für die Familie liegt jetzt bei beiden Ehepartnern, die Gehorsamspflicht der Ehefrau gegenüber ihrem Mann ist aufgehoben, und die Frau kann ohne Zustimmung von Vater oder Bruder heiraten. Das minimale Heiratsalter für Mädchen wurde auf 18 Jahre erhöht, die Polygamie stark eingeschränkt. Frauen können künftig leichter die Scheidung einreichen und das Sorgerecht für die Kinder beantragen. Eine gemischte Bilanz ziehen Frauenorganisationen über die Umsetzung des neuen Rechts: Ausserhalb Casablancas werden Gerichtsentscheide weiterhin mehrheitlich nach altem Recht gefällt. Mit Information und Empowerment von Frauen, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying, der systematischen Beobachtung der Rechtspraxis sowie der Weiterbildung von Richtern und Anwälten engagieren sich die Frauenorganisationen für die tatsächliche Anwendung der neuen Gesetze.

