/ Bayti für Strassenkinder in Essaouira
In den Metropolen und den touristischen Zentren Marokkos wächst die Zahl der Kinder, die sich alleine durchschlagen müssen, indem sie Schuhe putzen, Zigaretten verkaufen, sich prostituieren, betteln oder stehlen. Die ökonomische und sexuelle Ausbeutung und die direkte Gewalt, der sie im öffentlichen Raum ausgesetzt sind, beeinträchtigen die körperliche und geistige Gesundheit der Kinder. Viele sind drogenabhängig, krank und leiden unter Angstzuständen. Mit Gassenarbeit, Wohnprojekten, Schulbildung für Kinder und Elternarbeit engagiert sich die Organisation Bayti für Strassenkinder in Casablanca, Meknes und Essaouira. Mit Informations- und Lobbyarbeit setzt sie sich dafür ein, dass Kinderrechte in Marokko respektiert werden. Der cfd unterstützt die Arbeit von Bayti in Essaouira.
Gassenarbeit und Tageszentrum
Die lokale Bevölkerung profitiert kaum vom Tourismusboom im Küstenort Essaouira. Arbeitslosigkeit und häusliche Gewalt gehören für Viele zu Alltag. Immer mehr Familien kämpfen ums Überleben, viele Kinder müssen sich alleine durchschlagen oder in der Schattenwirtschaft mitverdienen. Die Gassenarbeiter von Bayti nehmen mit Kindern, die sich auf der Strasse aufhalten, so schnell wie möglich Kontakt auf und unterstützen sie in ihrem Alltag. Wenn ein Kind will, wird es im Tageszentrum aufgenommen. Täglich betreuen dort vier SozialarbeiterInnen und LehrerInnen etwa 100 Mädchen und Jungen. Die Kinder besuchen Mal-, Musik-, Theater- und Fotografieateliers, treiben Sport und beteiligen sich an Diskussionsgruppen. Jedes Kind wird dabei begleitet, sein individuelles „Projet de vie“ zu entwickeln. Kinder in extremer Not können in einer Wohnung unterkommen. Zurzeit leben dort elf Kinder von drei bis fünfzehn Jahren und werden rund um die Uhr betreut.
Einschulung und berufliche Integration
Bei jüngeren Kindern sind die Einschulung oder die Rückkehr in die Schule das wichtigste Ziel, um sie an einen geregelten Alltag zu gewöhnen. Ältere Kinder können im Tageszentrum Alphabetisierungsklassen besuchen, um später in die reguläre Schule zu wechseln oder sich auf eine Ausbildung vorzubereiten. Jugendlichen hilft Bayti, einen Praktikumsplatz zu finden und ist auch während der Praktika in Gastronomie, Coiffure, Kunsthandwerk, Nähen, Informatik, Schreinerei, Fischerei oder Fotografie eine Anlaufstelle.
Elternarbeit und Behördenkontakt
Wenn das Kind einverstanden ist, suchen die Bayti-MitarbeiterInnen den Kontakt zu seinen Eltern, um eine Rückkehr des Kindes in die Familie zu diskutieren. Ziel der Elternarbeit ist es, eine Partnerschaft zu vereinbaren, die auf der elterlichen Verantwortung für die Kinder basiert. Bayti hilft den Familien, zivilrechtliche Angelegenheiten zu klären und ökonomische Alternativen zur Kinderarbeit zu finden. Um die Kinder und ihre Eltern zu stärken, steht Bayti auch in engem Kontakt mit den städtischen Behörden, der Polizei, Sozialämtern, Schulen und dem Spital.
