/ Kayan – Empowerment von Palästinenserinnen
Palästinensische Frauen in Israel weisen den tiefsten Bildungsstand und die höchste Erwerbslosenrate auf und sind in der Politik kaum repräsentiert. In den Familien wird versucht, den Alltag von Mädchen und Frauen vollständig zu kontrollieren. Frühe Heiraten, vorzeitige Schulabgänge und Gewaltandrohungen von männlichen Familienmitgliedern zum «Schutz der Familienehre» sind wieder breit akzeptiert. Weder die israelische Regierung noch die lokalen palästinensischen Behörden kümmern sich um die Anliegen von palästinensischen Mädchen und Frauen. Die Organisation Kayan entwickelt innovative Projekte mit Frauen und Mädchen, liefert wichtige Impulse für die feministische Debatte und ist eine zentrale Akteurin der jungen arabischen Frauenbewegung in Israel.
Empowermentgruppen
Kern der Arbeit von Kayan sind die Empowermentgruppen für Frauen und Mädchen in den Dörfern Nordisraels. Die Teilnehmerinnen diskutieren je nach Kontext Themen wie Ehe, Sexualität, gesellschaftliche Erwartungen und Zwänge, Ausbildung, Arbeit oder Recht. Dabei erfahren sie einen individuellen Bildungs- und Stärkungsprozess. In einem weiteren Schritt werden die Frauen ermutigt, sich zu organisieren und darin bestärkt, ihre Rechte und Anliegen gegenüber lokalen Entscheidungsträgern selbstbewusst geltend zu machen.
Unterstützung lokaler Fraueninitiativen
Kayan begleitet Frauen auch bei der Entwicklung von Aktionen und Projekten. Oft sind die Ideen dafür aus Empowermentgruppen hervorgegangen. In einem Dorf in Galiläa hat eine Frauengruppe ein Busprojekt lanciert, da die fehlende Mobilität Frauen marginalisierte und ihre Abhängigkeit von Männern und Familie verstärkte. Mit der neuen Buslinie gewinnen Frauen Spielraum in der täglichen Lebensgestaltung und erschliessen sich soziale und politische Beteiligungsräume. In einem anderen Dorf hat eine Gruppe von Tagesmüttern mit Unterstützung von Kayan erreicht, dass die Lokalbehörde ihre Löhne korrekt bezahlt. Die Initiative hat mehrere Hundert Tagesmütter im ganzen Land mobilisiert, welche Kayan nun bei der Gründung eines Berufsverbandes unterstützt.
Feministische Arbeit und Politik
In Kursen und Workshops für Schulen, Universitäten, Sozialdienste und Behörden schärfen Kayan-Mitarbeiterinnen die Wahrnehmung für geschlechtsspezifische Diskriminierungen und zeigen Veränderungsmöglichkeiten auf. Kayan verknüpft Theorie, Reflexion und Projektarbeit und nutzt Erfahrungen aus den Empowermentgruppen in den Dörfern für das politische Lobbying. So hat Kayan mit anderen Organisationen Reformen im Familienrecht durchsetzen können. Das Problem früher Schulabgänge will die Organisation mit rechtlichen Mitteln angehen, indem sie die konsequente Anwendung der obligatorischen Schulpflicht juristisch einfordert. Kayan ist gut vernetzt mit jüdischen Frauenorganisationen, mit denen sie feministische und friedenspolitische Anliegen auf nationaler Ebene verfolgt.

