/ Krieg in den eigenen vier Wänden
Zenica ist eine Industriestadt in Zentralbosnien.
Vor dem Krieg war die wirtschaftliche Situation in der Region gut. Ein
Stahlwerk bot 25’000 Beschäftigten Arbeit, mittlerweile finden jedoch
nur noch 4’000 Personen dort einen Arbeitsplatz, weitere Entlassungen
sind geplant. Medica Zenica wurde noch während des Krieges von Monika
Hauser, der Preisträgerin des letztjährigen Alternativen Nobelpreises,
1993 gegründet. Viele vergewaltigte Frauen befanden sich damals in den
Flüchtlingslagern der Region. Auch 14 Jahre nach dem Krieg bietet
Medica Zenica medizinische und psychosoziale Hilfe für traumatisierte
und von Gewalt betroffene Frauen in einem Frauenhaus an, denn «Gewalt
und Traumata gehören nicht der Vergangenheit an», wie Monika Hauser
erläutert. «Der Krieg geht weiter – in den eigenen vier Wänden».
Wie in den Gesellschaften anderer ehemaliger Kriegsgebiete nehmen auch in Bosnien verschiedene Formen von Gewalt zu. Die Anzahl der von Gewalt betroffenen Frauen und Kinder steigt jedes Jahr und damit die Notwendigkeit für pädagogische, psychosoziale und wirtschaftliche Unterstützung.
Medica Zenica kombiniert daher in einem ländlichen Projekt psychosoziale Unterstützung mit Ausbildungskursen, um der Gewalt zu begegnen. Denn: Frauen auf dem Land haben selten die Möglichkeit, über häusliche und sexualisierte Gewalt zu sprechen und oft fehlt ihnen das Geld für Weiterbildungen. Die beruflichen Ausbildungskurse sollen es Frauen erleichtern und teilweise gar erst ermöglichen, auch die psychologische und pädagogische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, da sie ihre Gewalterfahrungen verarbeiten müssen und Hilfe für die Bewältigung ihres Alltags brauchen. Die Verschränkung von psychosozialer Beratung und beruflicher Aus- und Fortbildung hat sich bereits andernorts in der Traumabewältigung gut bewährt. Das Projekt startet in zwei Gemeinden und bietet einen Diplomlehrgang im Schneiderei-Handwerk und im Aufpolstern von Möbeln an.

