/ Weiterbildung für Berufsleute und soziale Arbeit mit Roma-Familien
Mehr als 30'000 Frauen und ihre Kinder wurden 1995 während des Massakers an ihren männlichen Familienmitgliedern aus Srebrenica nach Tuzla deportiert. Viele von ihnen sind in der ehemaligen Industriestadt im Nordosten Bosnien-Herzegowinas geblieben. Sie teilen mit den alteingesessenen BewohnerInnen die Kriegsfolgen: gravierende wirtschaftliche Probleme, eine hohe Arbeitslosigkeit, ein sich ständig verschlechterndes Gesundheits- und Sozialsystem sowie nach wie vor nicht verheilte seelische Wunden.
Selbstkompetenz für sich und andere
Die Mitarbeitenden der psycho-sozialen Institutionen der Stadt Tuzla sind aufgrund der desolaten Lage in Bosnien-Herzegowina hauptsächlich mit existentiellen Problemen der EinwohnerInnen beschäftigt. Darüber finden sie kaum noch Zeit und Energie, sich um ihre primären Aufgaben, der Arbeit mit Hochrisiko-Familien, zu kümmern. Zusätzlich sind die MitarbeiterInnen häufig selber überlastet, können sich nicht von ihren Arbeitserlebnissen erholen, zeigen Stress- und Erschöpfungssymptome. Deshalb bietet die Organisation Amica Educa Trainings und Seminare in psycho-sozialer und pädagogischer Arbeit für Berufsleute an. In Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogischem Seminar bildet Amica Educa Interessierte in nonverbalen Techniken wie Ausdrucksmalen, Familienaufstellung, Kunsttherapie und gewaltfreie Kommunikation aus. TeilnehmerInnen erweitern ihre Kompetenzen und Selbstsicherheit im Umgang mit ihren eigenen Problemen als auch im traumatisierten oder hilfesuchenden Menschen
Empowerment für Roma-Frauen
In Bosnien-Herzegowina gehören die Roma zu den offiziell anerkannten ethnischen Minderheiten. Sie leben meist abseits der Städte für sich und werden häufig diskriminiert, z.B. bei der Stellenvergabe. Roma-Frauen haben häufig ein sehr niedriges Bildungsniveau, kennen oft ihre (Frauen-)Rechte nicht und haben kaum Chancen, ihre Lebensbedingungen zu verändern. In speziellen Angeboten für Roma-Frauen in Kiseljak im Kanton Tuzla können sie ihre Selbstkompetenz stärken. In Gruppentreffen werden sie ermutigt, eine aktivere Rolle in der Gesellschaft zu übernehmen, sie gewinnen ein besseres Verständnis ihrer Lebenssituation, ihrer familiären Beziehungen und lernen auf nicht-aggressive Weise mit Konflikten umzugehen.
Spielerisches Lernen
Roma-Kinder besuchen gerne die Workshops von Amica Educa, da sie dort Aufmerksamkeit erhalten und etwas lernen. Ein spielerisch-kreativer Zugang vermittelt ihnen soziale und kommunikative Fähigkeiten, Toleranz und gewaltfreie Ansätze der Konfliktlösung. Darüber hinaus erhalten sie Informationen über Menschen- und Kinderrechte, sexuell übertragbare Krankheiten, ungewollte Schwangerschaften und die Risiken des Drogenkonsums.

