/ Beratungszentrum für Opfer von Gewalt in Sidi Moussa
Die Region von Sidi Moussa im Südwesten von Algier war in den 90er-Jahren besonders stark von Massakern gegen die Zivilbevölkerung betroffen. Die Wunden, welche die grauenvollen Erlebnisse geschlagen haben, sind nicht verheilt; viele BewohnerInnen trauern über «verschwundene» Familienangehörige. Zudem leidet die Region aufgrund der zerstörten Infrastruktur und der wirtschaftlichen Marginalisierung unter hoher Erwerbslosigkeit. Seit 2000 unterhält die Association algérienne d'aide psychologique, de recherche et de formation SARP in Sidi Moussa ein interdisziplinäres Beratungszentrum, in welchem traumatisierte Frauen und Männer Unterstützung finden. Die SARP versteht sich als Teil der algerischen Demokratiebewegung und trägt mit ihrer Arbeit zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt bei.
Psychosoziale Unterstützung
Das Beratungsangebot von SARP in Sidi Moussa richtet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die PsychologInnen und PsychiaterInnen des Zentrums bieten Einzel- und Gruppentherapien, die in der Regel ein Jahr dauern. Neben der Bearbeitung der Gewalterlebnisse spielen die Hilfestellungen eine wichtige Rolle, um den Alltag zu bewältigen und neue Handlungsperspektiven für die Zukunft zu erschliesse. Eine Mehrheit der Ratsuchenden sind Frauen, darunter viele Witwen, sowie erwerbslose Jugendliche. Persönlich im Zentrum oder am Telefon vermitteln ihnen die SARP-SozialarbeiterInnen Ausbildungsplätze und Lehrstellen; sie helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und erleichtern den Frauen den Zugang zu medizinischer Unterstützung. Für diese Arbeit stehen die SozialarbeiterInnen in engem Kontakt mit Behörden, Spitälern, ÄrztInnen, Labors, Apotheken sowie mit Frauenhäusern. Ein Jurist steht SARP zur Verfügung, um für die Opfer von Gewalt einen offiziellen Status als Terrorismusopfer sowie eine Entschädigung zu erwirken. Als Experte für die Amnestiegesetze von 1999 und 2006 sowie für das Familienrecht hilft der Jurist bei der Vorbereitung von gerichtlichen Klagen und Rekursen.
Förderung lokaler Initiativen
Für ein nachhaltiges Empowerment auf der gesellschaftlichen Ebene fördert SARP vermehrt lokale Initiativen zur Selbsthilfe. Die SARP-MitarbeiterInnen unterstützen Interessierte bei der Gründung von Kooperativen oder Vereinen und erleichtern die Vernetzung unter verschiedenen Initiativen. Sie vermitteln auch praktisches Know-how, um Projektanträge zu schreiben, die Mittel zu beschaffen und im Kontakt mit den Behörden.
Animation für Kinder und Jugendliche
An den schulfreien Nachmittagen können die Kinder aus der Region in der Bibliothek und Ludothek des Zentrums spielen, lesen und malen. Ein Erzieher und PraktikantInnen organisieren Freizeitaktivitäten für die Jugendlichen und ermutigen sie, eigene Ideen und Pläne zu realisieren.
