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/ Elan zum Weitermachen

Die cfd-Partnerorganisation Krajiska Suza erhielt am 9. September 2007 den «Nord-Süd-Preis wider das Vergessen». Damit wird ein Projekt gefördert, das Frauen Erwerbsmöglichkeiten und psychosoziale Unterstützung sowie Betagten Betreuung bietet und das dazu beiträgt, die sozialen Netze in einem ehemaligen Kriegsgebiet neu zu knüpfen.

«Die Nachricht vom Nord-Süd-Preis war für uns eine freudige Überraschung. Wir hatten es dringend nötig, dass jemand unsere Arbeit wertschätzt!» Almira Selimoviæ, die Leiterin von Krajiska Suza, der langjährigen cfd-Partnerorganisation aus Sanski Most in Bosnien-Herzegowina, ist glücklich. Der mit 20 000 Franken verbundene Preis gebe dem Team den nötigen Elan zum Weitermachen: «In unserer trüben finanziellen Situation sehen wir wieder Licht.»

Ein Mal pro Woche besuchen allein stehende Frauen in Sanski Most mehr als 200 ältere und auf Unterstützung angewiesene Menschen in der Umgebung. Die so genannten »Besucherinnen« von Krajiska Suza helfen im Haushalt, beim Einkauf, in der Gesundheitspflege oder schauen einfach nur auf einen Schwatz vorbei. Das Frauen- und Betagtenprojekt Krajiska Suza bietet ausserdem ein Tageszentrum und kostengünstige medizinische Versorgung.

Die Anerkennung durch den Nord-Süd-Preis ist auch deshalb so wichtig, weil das Jahr 2007 schwierig begann. Sechs Monate lang waren nach den Wahlen in Bosnien-Herzegowina im Oktober 2006 die politischen Entscheide blockiert, im Frühjahr 2007 kam ein Streik im Gesundheitswesen hinzu. Insbesondere Betagte und allein erziehende Mütter waren von dieser Situation betroffen. Die Besucherinnen von Krajiska Suza versuchten die Folgen des Streiks durch zusätzliche Visiten bei den Betagten aufzufangen.

Im neuen Mobilen Team betreuen zehn Besucherinnen zusätzlich zu ihren regulären Besuchen gegen Bezahlung ältere Menschen. Ein Grossteil der Einnahmen fliesst in die Kasse von Krajiska Suza. Das Mobile Team ist ein Schritt, um das Projekt langfristig auf eigene Füsse zu stellen und von Geldgebern unabhängig zu werden. Krajiska Suza hat zwar einen Kreis von treuen SpenderInnen im Ausland, auch entlasten lokale Firmen immer häufiger mit Sachspenden das Budget. Ein Unternehmer aus Sanksi Most betonierte beispielsweise kurzerhand den Vorplatz des Tageszentrums und 700 Kilo gespendetes Fleisch reichten für etliche Mittagessen. Um Löhne und andere Ausgaben zu zahlen, ist das Projekt aber auf finanzielle Mittel angewiesen. Deshalb strebt Krajiska Suza an, in das reguläre Budget der lokalen Behörde eingebunden zu werden oder zumindest die Kosten für Hausbesuche und medizinische Leistungen erstattet zu bekommen.

In dieser Situation ist der Nord-Süd-Preis eine grosse Entlastung und Motivation. Der vom RomeroHaus Luzern und der Bethlehem Mission Immensee gestiftete «Nord-Süd-Preis wider das Vergessen» wurde am 9. September zum dritten Mal verliehen als «Anerkennung für geleistete Einsätze und Bestärkung für künftiges Engagement». Die Jury beeindruckte der «innovative Ansatz, verschiedene soziale Bedürfnisse in einem Projekt zu verbinden und damit eine neue Art von Netzen zwischen Generationen und Gruppen entstehen zu lassen». Da die Beteiligten aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, Berufen und Lebensaltern kommen, trägt das Projekt «wesentlich zur gegenseitigen Verständigung und zum Aufbau einer gemeinsam gestalteten Zukunft» bei.

Für Li Hangartner vom Verein FrauenKirche Zentralschweiz, der die cfd-Partnerorganisation Krajiska Suza seit Jahren finanziell unterstützt, spiegelt sich der Name des Preises im Programm des Projekts. Es hält die Erinnerungen an den Krieg in Bosnien-Herzegowina und an die Leiden der Menschen wach, denn auch zwölf Jahre nach Friedensschluss ist das Leben in Bosnien-Herzegowina noch geprägt vom Krieg und seinen Folgen. Deshalb bietet Krajiska Suza Mitarbeiterinnen, Besucherinnen und Betagten psychosoziale Unterstützung. In Weiterbildungen oder Selbsthilfegruppen lernen die Frauen, Kriegserfahrungen zu verarbeiten. Damit gewinnen sie die Kraft, den schwierigen Alltag zu bewältigen, und den Elan, sich für andere einzusetzen.

Die Frauen des Frauenklubs von Krajiska Suza tragen dazu bei, die durch den Krieg zerstörten sozialen Netze und Kontakte neu zu knüpfen. Sie haben alle eine unterschiedliche Herkunft und Religion und überwinden auch regionale Grenzen. Im Frühsommer 2007 organisierte der Frauenklub die Solidaritätsaktion «Srebrenica ist ein Teil von uns». Er sammelte rund 1100 Franken für Frauen und Schulkinder in Srebrenica und lud später acht Frauen aus Srebrenica zu einem Besuch nach Sanski Most ein. Geldspenden aus dem Ausland und lokale Gewerbetreibende machten diese Frauen-Reise quer durch Bosnien und die gemeinsamen Ausflüge möglich.

Am liebsten würde Krajiska Suza mit dem Preisgeld einen neuen Bus anschaffen. Der reparaturbedürftige Zustand des alten Busses, mit dem die Betagten ins Tageszentrum oder zur medizinischen Untersuchung gebracht werden, macht mittlerweile jede Fahrt zu einem Hasardspiel. Wenn sich nicht genügend Mittel für das reguläre Budget finden lassen, muss das Geld jedoch die laufenden Kosten decken helfen. Aber allen Engpässen zum Trotz will Almira Selimoviæ auch in Sanski Most gemeinsam mit Team, Besucherinnen und Betagten sowie Behördenmitgliedern und VertreterInnen anderer NGOs feiern.

Martina Ramming, Programmverantwortliche für Südosteuropa

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Im Alten- und Betreuungszentrum Krajika Suza gehört ein Schwatz dazu.