Ausbrechen statt Aushalten
Gewalt gegen Frauen ist all das, was ihnen aufgrund
ihres Geschlechtes zugefügt und verwehrt wird, was sie folglich hindert, ihr
Leben selbstbestimmt zu verwirklichen. Gewalt gegen Frauen existiert auf der
ganzen Welt und in unterschiedlichen Formen. Doch Frauen sind nicht einfach
Opfer. Frauen nehmen ihr Schicksal selber in die Hand, lehnen sich gegen
Unterdrückung und Gewalt auf. Sie erkämpfen sich Gerechtigkeit in
Kriegsprozessen vor internationalen Strafgerichten. Sie wissen dank Wen-Do, wie
sie sich verteidigen können, wenn es sein muss. Sie wehren sich gegen die
Gewaltspirale und engagieren sich für einen neuen Umgang mit Gewalt in der
Familie. Sie organisieren sich in sozialen Bewegungen und stürzen Diktatoren
vom Thron. Sie lobbyieren, politisieren und nutzen ihren Einfluss in der
Wirtschaftswelt, um die Lohndifferenzen abzuschaffen. Sie initiieren
Beratungsstellen, Bildungsprojekte, politische Arbeit und Diskussionen, um von
Gewalt betroffene Frauen zu unterstützen. Die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an
Frauen» steht 2011 im Zeichen starker ProtagonistInnen, die Mut machen.
Die feministische
Friedensorganisation cfd lancierte die Kampagne in der Schweiz im
Jahr 2008 und koordiniert seither jährlich die vielfältigen Aktivitäten während
den 16 Tagen und übernimmt die Öffentlichkeitsarbeit.
Die Kampagne 2011 legt den Schwerpunkt auf individuelle und kollektive Wege aus der Gewalt. Sie zeigt, wie sich Frauen gegen Gewalt zur Wehr setzen können, wie sie aus Gewaltspiralen herausfinden, und sie bricht mit dem Vorurteil, Gewalt ginge nur die anderen etwas an. Die Kampagne macht aber auch deutlich, welche Bedingungen Gesellschaft und Politik schaffen müssen, damit Frauen erfolgreich ihren Weg aus der Gewalt gehen können.
Forderungen der Kampagne 2011
Die Kampagne fordert daher:
- Gewalt gegen Frauen muss auf allen gesellschaftlichen Ebenen bekämpft werden. VerantwortungsträgerInnen in Politik, Wirtschaft und Kultur müssen alles in ihrer Macht Stehende tun, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Ebenso wollen wir alle Menschen ermutigen, bei Gewalt gegen Frauen Zivilcourage zu zeigen.
- Schluss mit der doppelten Diskriminierung von Migrantinnen! Frauen brauchen ein eigenständiges Aufenthaltsrecht, auch wenn sie aus nicht-EU- oder EFTA-Staaten per Familiennachzug in die Schweiz kommen. Frauen dürfen nicht ausgewiesen werden, nur weil sie sich aus einer gewalttätigen Ehe lösen. Die Unversehrtheit der Frauen hat Priorität!
- Ausbau statt Abbau von Beratungsstellen und Institutionen! Die öffentliche Hand muss genügend Mittel zur Verfügung stellen, damit von Gewalt betroffenen Frauen Schutz und Beratung garantiert werden kann.
- Das Opferhilfegesetz muss einen umfassenden Schutz und eine ausreichende finanzielle Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen gewährleisten. Verschlechterungen können fatale Folgen haben.
- Programme, die männliche Gewaltbereitschaft bekämpfen und Männer in gewaltfreier Konfliktlösung unterstützen, sind Teil einer umfassenden Strategie gegen Gewalt an Frauen. Auch Angebote für Männer müssen deshalb vom Staat unterstützt werden.



